Wahnvorstellungen bei Demenz sind häufig – rund ein Drittel der Betroffenen erlebt sie im Krankheitsverlauf. Besonders häufig sind Bestehlungs- und Vergiftungswahn. Für Angehörige ist der Vorwurf „Du hast mich bestohlen!“ belastend – mit dem richtigen Verständnis lässt sich einfühlsam reagieren.
Wahnvorstellungen sind Störungen des Denkens
Eine Wahnvorstellung ist eine feste Überzeugung, für die es keine Beweise gibt und die sich nicht durch Argumente entkräften lässt. Sie verbindet sich mit einem Bild der Wirklichkeit, das nichts mehr mit der Sicht anderer zu tun hat – und führt so zur Isolation.
Bestohlen und vergiftet
Typisch ist die Verlagerung eigener Missgeschicke auf andere: Wird ein Gegenstand verlegt und nicht gefunden, „muss“ jemand ihn gestohlen haben. Daneben kommen Verfolgungs- oder Eifersuchtswahn vor.
Wahnvorstellungen und Halluzinationen
Häufig treten zusätzlich Halluzinationen auf – etwa als Nebenwirkung von Medikamenten, bei zu geringer Flüssigkeitszufuhr oder starker Reizarmut. Bei der medikamentösen Behandlung sollte das beachtet werden.
Richtig auf Wahnvorstellungen bei Demenz reagieren
Wahnvorstellungen bei Demenz lassen sich nicht wegdiskutieren. Es hilft wenig, die Person vom Gegenteil überzeugen zu wollen. Nehmen Sie sie ernst, lassen Sie sich nicht auf einen Machtkampf ein und auch nicht in die Welt der Wahnvorstellungen hineinziehen. Sie dürfen unterschiedliche Wahrnehmungen nebeneinander stehen lassen: „Du hast Stimmen gehört. Ich habe sie nicht gehört.“ Eine ruhige Haltung und gute Kommunikation mit Demenzkranken entschärfen viele Situationen.
Wahnvorstellung oder Verkennung?
Nicht jede Fehleinschätzung ist ein Wahn – manche sind körperlich bedingt, etwa durch Augenveränderungen, die einen Bodenbelag wie einen Abgrund wirken lassen. Sorgen Sie für gute, schattenfreie Beleuchtung, vermeiden Sie starke Muster und aktualisieren Sie die Sehhilfe. Und denken Sie daran: Auch kranke Menschen werden bisweilen tatsächlich bestohlen.
Ordnung gibt Sicherheit
Bewahren Sie wichtige Gegenstände an festen Orten auf und legen Sie von Familienfotos Duplikate an – passende Erinnerungshilfen beugen Unruhe vor. Weiterführende Beratung bietet die Deutsche Alzheimer Gesellschaft.