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„Der alte Mann und das erste Licht“
Der Dezember hatte die Stadt längst in ein stilles Weiß gehüllt.
In einem kleinen Haus am Rande des Parks saĂź Herr KrĂĽger allein am Fenster.
Sein Tee war lauwarm geworden, aber er hielt die Tasse trotzdem fest — nicht wegen des Tees, sondern wegen der Wärme, die er brauchte.
Seit seine Frau vor zwei Jahren gegangen war, fĂĽhlten sich die Tage leer an.
Vor allem die Adventszeit, in der sie früher gemeinsam Plätzchen backten und die Fenster mit Sternen schmückten.
Jetzt stand nur ein kleiner Kerzenständer auf dem Tisch. Ohne Kerzen. Ohne Glanz.
Am nächsten Morgen klingelte es.
Herr Krüger öffnete langsam, und vor ihm stand eine Frau mit einer roten Mütze, einem Lächeln und einer Keksdose in der Hand.
„Guten Morgen! Ich bin Maria, Ihre neue Betreuungskraft“, sagte sie warm.
Ihr Akzent klang weich, wie ein Versprechen von Nähe.
Herr KrĂĽger wusste nicht, was er sagen sollte.
Er nickte nur und lieĂź sie herein.

Maria brachte nicht nur Ordnung in das Haus.
Sie brachte Lebendigkeit.
Sie sprach mit ihm über früher, hörte zu, wenn er von seiner Frau erzählte, und lachte über seine alten Witze, die lange niemand gehört hatte.
Am ersten Advent stellte sie den Kerzenständer in die Mitte des Tisches.
„Heute zünden wir ein Licht an“, sagte sie, „für die, die wir lieben und für die, die noch da sind.“
Herr KrĂĽger sah sie ĂĽberrascht an.
„Für die, die noch da sind…“, wiederholte er leise.
Maria musste nichts weiter sagen.
Sie setzten sich nebeneinander.
Sie zĂĽndete die Kerze an.
Flackerndes Licht spiegelte sich in seinen Augen — und zum ersten Mal seit langem spürte Herr Krüger, wie Wärme nicht nur die Hände, sondern auch das Herz erreichte.
In den folgenden Tagen backten sie gemeinsam Plätzchen.
Maria hing Sterne an das Fenster, so wie seine Frau es immer getan hatte.
Und manchmal sang sie leise Weihnachtslieder, während sie kochte.
Das Haus roch nach Geborgenheit.
Als der vierte Advent nahte, sagte Herr KrĂĽger:
„Wissen Sie, Maria… Es fühlt sich an, als wäre wieder jemand zuhause.“
Maria lächelte.
„Ich bin ja hier.“
Und so wurde aus Einsamkeit ein Advent voller Licht —
nicht durch Geschenke, nicht durch Glanz,
sondern durch einen Menschen, der Zeit schenkt, Wärme gibt und bleibt.
Eine Betreuung, die nicht nur hilft, sondern das Leben wieder zum Klingen bringt.
Und genau darin liegt das schönste Weihnachtswunder.

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